Blaudruck

Ein altes Handwerk

Blaudruck bezeichnet einen Reservedruck mit sogenannten Modeln, bei dem ein weißes Muster auf blauen Grund entsteht.


Der Blaudruck

Der Blaudruck ist eine uralte Reservedrucktechnik. Das älteste Fundstück stammt aus der oberägyptischen Totenstadt Achmim und wird in das 4. Jahrhundert datiert. Im Mittelalter wurde Blaudruck zunächst aus Südostasien nach Europa importiert. Durch Forschung und Spionage konnte man die Technik  hier auch bald selbst anwenden. Im 16. Jahrhundert wurden dann zum ersten Mal größere Mengen von Indigo aus Indien eingeführt. Nur wenige konnten das Handwerk ausführen, bis 1768 das erste Rezeptbuch erschien. Der Entwicklungshöhepunkt des Blaudrucks lag im 18. Und 19. Jahrhundert. In  Folge der Industrialisierung wurde die Konkurrenz durch die Fabriken zu hoch. Immer mehr Handwerksbetriebe mussten aufgeben. Heute sind nur noch ganz kleine Handwerksbetriebe oder Museumswerkstätten tätig. 

Blaudruck wird wie folgt hergestellt. Zum bedrucken wird ein vorgewaschener Stoff benutzt, damit keine Rückstände von Nachbehandlungen und Ausrüstungen auf dem Textil vorhanden sind. Gedruckt wird mit einem Druckpapp und den Modeln. Der Druckpapp ist eine zähflüssige Masse, dessen Bestandteile meist von den Blaudruckern geheim gehalten werden. Dieser Papp wird in einem Behälter, dem Chassi, verteilt und glatt gestrichen. Dann taucht man die Model in den Papp und druckt damit auf den Stoff. Mit einem kräftigen Hieb auf die Rückseite der Model, wird der Druckpapp auf den Stoff geschlagen. Modeln sind Holzformen, die geschnitzt sind oder mit Metallstiften und –blechen ein Muster ergeben. An der Stelle, an der der Druckpapp in Form des Musters haftet, wird der Stoff reserviert und das Durchfärben in der Küpe verhindert. Der Stoff wird, wenn er fertig bedruckt ist, auf eine Aufhängung über der Küpe befestigt. Bei einem synthetischen Indigo wird der Stoff für eine Stunde in die Küpe gelassen. Bei einer echten Indigoküpe sind es Färbeintervalle, bei dem der Stoff immer wieder mit Sauerstoff reagieren muss. Nach dem Färben muss der Druckpapp in einem Laugenbad gelöst werden. Jetzt wird das weiße Muster im blauen Stoff sichtbar.


Der Ablauf: 
         
1. Man nehme eine Model



2.Der Druckpapp wird mit der Model aufgetragen (grünliche Paste) 



3.Der Stoff kommt in die Küpe


4.Nach dem Färben wird der Stoff ausgewaschen und der Druckpapp wird im 
   Laugenbad entfernt und das weiße Muster erscheint 


5.Trocknen fertig


Blaudruck in der Kollektion "Reanimation"

Für die Kollektion wurde in einer Küpe mit synthetischem Indigo gefärbt. Dieser ist Wasch- und Lichtechter als der echte Indigofarbstoff. Außerdem enthält die synthetische Indigofarbstoffküpe keine Bleianteile. Bei echtem Indigo färbt die Kleidung auf der Haut ab, wenn man schwitzt. Bleianteile können über die Haut aufgenommen werden.
Die Blaudruckmuster der Kollektion wurden mit den vorhandenen historischen Modeln der Blaudruckerei erstellt. Die Prints auf den Oberteilen der Kollektion wurden vorher grafisch designt und mit einem passenden Model umgesetzt. Sie stellen stilisierte Totenköpfe, inspiriert von den mexikanischen Calaveras, dar. Für eine Wendeschürze der Kollektion, wurde sogar ein Calavera–Totenkopf per Hand mit Druckpapp und Pinsel auf den Stoff gemalt. Da der Blaudruck sehr kostspielig ist, wurden die unifarbenen Stoffe in der Waschmaschine gefärbt. Dadurch kam es zu Farbunterschieden in verschiedenen Lichtverhältnissen. Das liegt an der Metamerie, bei der verschieden zusammengesetzte Lichtspektren beim Menschen einen gleichen Farbeindruck hervorrufen können. Das heißt, dass bestimmte Farbmittel auf den Textilien bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen auch das Licht anders reflektieren. So sieht der Blaudruck im Tageslicht grünlich aus und im künstlichen Licht rötlich. Die Simplicol Textilfarben sind lichtecht und sehen dadurch in jedem Licht fast gleich aus. Der Farbton der Stoffe, die in der Waschmaschine gefärbt wurden, wurde dem Blaudruckfarbton im künstlichen Licht angepasst. So ist es gewährleistet, dass bei einer Modenschau oder einer Präsentation, die meistens im künstlichen Licht stattfinden, die Farbtöne möglichst gleich aussehen.

Text: B.A.-Arbeit von Sarah Gwiszcz

Entwürfe und Inspiration



 

Blaudruck-Totenkopf, grafisch dargestellt



      
Calavera - Totenkopf in Blaudruck

mit der Hand auf den Stoff gebracht und wattiert


Das Ergebnis eine aufregende Wendeschürze







1 Kommentar:

  1. Hallo Sarah,
    die Neuinterpretation dieser historischen Techniken finde ich toll. Außergewöhnlich schöne Mode machst Du!
    Lieber Gruß aus Berlin

    AntwortenLöschen